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NUMISMATISCHE GESELLSCHAFT
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Nachrichten

Anna Franziska Schwarzbach zum 70. Geburtstag

21. September 2019

Geburtstage sind kein Verdienst, auch nicht für Anna Franziska Schwarzbach, die heute ihren 70. Geburtstag begeht. Der Ort, an dem man geboren wird, die Eltern, die frühkindliche Prägung und Gesellschaft sind Gegebenheiten. Ich kenne Anna Franziska Schwarzbach seit 1996, aber nicht so gut, dass die folgende Spekulation angemessen wäre. Ich maße sie mir trotzdem an und hoffe, sie wird sie mir verzeihen.

1949 wurde Anna Franziska Schwarzbach in Rittersgrün im Erzgebirge/Sachsen geboren. Sie ist das älteste Kind von Hans Brockhage (1925-2009), der zum Zeitpunkt ihrer Geburt 24 Jahre alt war.

17jährig in den Kriegsdienst eingezogen und 1944 schwer verwundet, hatte Brockhage 1945 eine Lehre zum Holzbildhauer und Drechsler begonnen. „Ich erlebte den Krieg als die fürchterlichen Phantomschmerzen meines Vaters“, schrieb sie mir in einem Brief. Der Vater mit der Beinamputation muss auf das kleine Mädchen verwirrend und einschüchtert gewirkt haben, wenn er in seinem Zimmer vor Schmerzen schrie. Meist aber erlebte sie den Vater „aufmunternd, ermunternd, erheiternd".

Hans Brockhage hatte 1947 ein Studium der Formgestaltung und Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden begonnen, das bis 1952 dauerte. Während des Studiums hatte er auch Seminare bei der Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt besucht. Zu der bekannten Metall-Designerin entstand eine fachliche und freundschaftliche Beziehung, die diese auch auf Anna Franziska übertrug. In Erinnerung an die Besuche bei Marianne Brandt schrieb A. F. Schwarzbach: „Steinhaus und viele Treppen. Liebe! Bitte, öffne die Tür; Rauscheengel und Aschenbecher aus Chromstahl; Tee aus silberner Eleganz; Balance der Extreme; rotes Hennahaar und Krücken aus Aluminium, Bauhausgedanken, Briefe aus aller Welt; Heftpflaster und das Buch von GROPIUS“. Wie lebt die Bauhaus-Avantgarde, wenn deren revolutionäre Gestaltungsideen Gemeingut geworden sind? Wie lebt ein Mensch, dessen Körper hinfällig wird, dessen Geist aber jung geblieben ist?

Man darf sich die junge Anna Franziska Schwarzbach als lebendiges, ungestümes und ungemein aktives Mädchen vorstellen, dem kein Baum zu hoch und kein Berg zu steil war. Unter den Kindern hatte sie die beste Spielideen, und sie lebte in einer Welt, zu der die Schmiede der Großeltern gehörte. Handwerk, Design und Kunst, damit wächst sie auf. Bewusst und geschockt erlebte sie mit, wie sich der Vater radikal einer abstrakten Kunstauffassung zuwendet und seine figürlichen plastischen Werke, die sie bis dahin durch die Kindheit begleitet hatten, „durch die Kreissäge jagte“.

Das Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen entwickelt sich mit den Jahren. Als Hans Brockhage von 1965 bis 1968 zusammen Robert Lenz sein Wohnhaus in Schwarzenberg baute, war dies für Anna Franziska Schwarzbach ein intensives Erlebnis, und sie entschloss sich, selbst Architektur zu studieren. Der Weg führte sie, auf Vorschlag von Marianne Brandt hin, nach Berlin, wo sie bei Salman Selmanagic studierte, der ebenfalls aus der Bauhaus-Schule stammte. Erfahrungen als Architektin ab 1973 beim Bau des Palastes der Republik brachten sie aber zu der Überzeugung, dass diese zweckgebundene Arbeit sie nicht befriedigen konnte.Auch das hatte ihr ihr Vater auf den Weg mitgegeben: „Kunst kommt von Leidenschaft, Freude, Mut zu Neuem, Unerwartetem, die Kraft kommt aus DIR… .Sobald Du Angst hast, etwas falsch zu machen oder keine Lust mehr hast – hör auf!“

Nach einem Abendstudium der Porträtplastik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee machte sie sich 1977 als Bildhauerin selbstständig. Im Wissen um die Kunstdiskussionen ihrer Zeit, in einer Gesellschaft, in der sie sich Rollenerwartungen als Frau, Mutter, Ehefrau und Künstlerin ausgesetzt sah, fand sie Ihren eigenen Weg. Unbeirrt und innerlich fest, energiereich und mit einer gehörigen Portion Humor und Witz schafft sie unverwechselbare Kunst. Ihre Skulpturen im öffentlichen Raum sind Denkmale eines gewandelten Bewusstseins, auch zur Rolle der Frauen in unserer heutigen Gesellschaft. Mit einer Skulptur der Lise Meitner auf dem Ehrenhof der Humboldt-Universität zu Berlin (2014), schuf sie (kaum glaublich) die erste Skulptur für eine Wissenschaftlerin an dieser großen Universität. Mit der Ausstellung ‚Kluge Frauen‘ (2018) brachte sie das Thema der künstlerischen Darstellung von Akademikerinnen in die Öffentlichkeit. Und dies ist nur eines der wichtigen und richtigen Themen, die ihr am Herzen liegen. Die Medaillenkunst verdankt Anna Franziska Schwarzbach ein beeindruckendes Werk. Sie wurde 1998 mit dem Ernst-Rietschel-Kunstpreis für Bildhauerei ausgezeichnet, erhielt 2011 den Hilde-Broër-Preis für Medaillenkunst und 2016 den Deutschen Medailleurpreis. Doch war dies alles nach 1973, dem Jahr, in dem sie ihren eigenen Weg fand und begann, die Welt und uns mit ihrer Kunst zu verändern.

Links:
Zur Druckfassung mit Abbildungen und Anmerkungen
Zu den Porträtmedaillen von Anna Franziska Schwarzbach (2013)
Anna Franziska Schwarzbach in unserer Künstlerdatenbank

Hans-Dieter Dannenberg am 12. Okt. 2020 verstorben / Nachruf

19. Okt. 2020

Liebe Sammlerfreunde,

mit großer Trauer teilen wir mit, dass am 12. Oktober 2020 Dr. Hans-Dieter Dannenberg verstorben ist. Er hinterlässt eine große Lücke in der brandenburgischen Numismatik. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, der wir viel Kraft wünschen bei der Bewältigung dieses Verlustes und Trost spenden möchten. Die Trauerfeierlichkeiten werden im engsten Familienkreis Anfang November stattfinden.

Leider konnte das Ehrenkolloquium anlässlich seines 90. Geburtstages wegen den Hygieneauflagen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. Doch er hat alle ihm zugedacht Ehrungen noch wahrnehmen dürfen und freute sich besonders über das ihm gewidmete Jahrbuch 2020 der „Beiträge zur Brandenburgisch/Preußischen Numismatik“ in dem auch sein letzter Aufsatz publiziert ist.

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